Wenn Katzen allein zu Hause sind, schlafen oder ruhen sie häufig. Sie erkunden auch ihre Umgebung, klettern, putzen sich oder spielen. Wie sich eine Katze verhält, wenn ihre Bezugsperson weg ist, hängt von der Katze und ihrem Alltag ab.
Das FELIX-Video „Racker allein daheim“ zeigt auf unterhaltsame Weise, was einige gefilmte Katzen zu Hause tun. Es zeigt aber nicht das Verhalten aller Katzen. Bei der eigenen Katze zählen ihre Gewohnheiten und mögliche Veränderungen.
Was die FELIX-Aufnahmen zeigen
Für die Kampagne filmte FELIX 2016 Katzen in Deutschland und Österreich. Ein späterer Ergebnisbericht nennt 32 Haushalte mit 56 Katzen. In der Auswertung stand Schlafen an erster Stelle, Entspannen an zweiter. Danach folgten Klettern, Rennen und Springen, Strecken, Fellpflege sowie Spielen und Raufen.
Ein österreichischer Bericht zur Kampagne gab an, dass 57 Prozent der gefilmten Zeit auf Schlafen und ungefähr ein Fünftel auf Entspannen entfielen. Diese Zahlen beziehen sich nur auf die FELIX-Auswertung. Die veröffentlichten Angaben erklären nicht ausführlich, wie die Aufnahmen ausgewählt und die Verhaltensweisen gezählt wurden. Deshalb lassen sich die Prozentwerte nicht auf alle Hauskatzen übertragen.
Auch die einzelnen Szenen zeigen, wie unterschiedlich Katzen im selben Haushalt sein können. In einem dokumentierten Beispiel schliefen und putzten sich die Katzen Mogli und Shiva, sprangen und spielten aber auch. Sie nutzten den Esstisch und suchten gelegentlich dieselben Lieblingsplätze auf. Das zeigt den Alltag dieser beiden Katzen, sagt aber nicht, dass andere Katzen sich genauso verhalten.
Was eine Studie zu allein gelassenen Katzen zeigt
Eine wissenschaftliche Beobachtungsstudie untersuchte 14 einzeln gehaltene Katzen zu Hause. Die Forschenden verglichen Situationen, in denen die Katzen 30 Minuten beziehungsweise vier Stunden allein waren. Während die Katzen allein waren, verhielten sie sich in den erfassten Zeitabschnitten ähnlich, egal ob sie 30 Minuten oder vier Stunden allein waren. Während der vierstündigen Abwesenheit ruhten die Katzen in den erfassten Zeitfenstern häufiger.
Bei der Rückkehr zeigten sich Unterschiede: Nach vier Stunden schnurrten die Katzen mehr und streckten sich stärker. Auch die Halter sprachen bei ihrer Rückkehr häufiger mit den Katzen. Die Katzen reagierten nach längerer Trennung also stärker auf die Rückkehr ihrer Halter.
Die Studie umfasste nur wenige Katzen und erfasste ihr Verhalten nicht durchgehend. In 29,2 Prozent des aufgenommenen Materials waren die Katzen nicht auf dem Kamerabild zu sehen. Außerdem untersuchte sie einzeln gehaltene Katzen. Ihre Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf Mehrkatzenhaushalte oder jede Lebenssituation übertragen.
Woran Sie Stress erkennen
Ruhen oder Schlafen während Ihrer Abwesenheit ist für sich genommen kein Beweis für Stress. Aussagekräftiger ist, ob sich das Verhalten Ihrer Katze verändert. Auffälliges Miauen, Zerstören, Unsauberkeit, übermäßiges Putzen oder Fressunlust während längerer Abwesenheiten können auf ein Problem hinweisen. Solche Anzeichen haben allerdings nicht automatisch dieselbe Ursache.
Achten Sie darauf, wann das Verhalten begonnen hat. Beobachten Sie, wie oft es auftritt und wie lange es anhält. Berücksichtigen Sie auch Änderungen im Tagesablauf und in der Umgebung. Eine Kamera kann zeigen, was Sie während Ihrer Abwesenheit nicht beobachten können. Einzelne Aufnahmen reichen jedoch nicht, um sicher festzustellen, ob eine Katze gestresst ist.
Wenn auffälliges Verhalten anhält, häufiger wird oder sich deutlich verändert, besprechen Sie es mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt. Eine Tierärztin oder ein Tierarzt kann prüfen, ob gesundheitliche Ursachen oder Verhaltensprobleme dahinterstecken. Deuten Sie Unsauberkeit oder zerstörte Gegenstände nicht als absichtliche Rache.
So bereiten Sie Ihre Katze auf Ihre Abwesenheit vor
Sorgen Sie im Alltag für Bewegung, Beschäftigung, Kontakt und Ruhe. Spiel und Beschäftigung vor dem Weggehen können den Alltag abwechslungsreicher machen. Eine verlässliche Routine hilft vielen Katzen, sich auf wiederkehrende Abläufe einzustellen. Welche Beschäftigung passt, hängt von der Katze ab: Manche Katzen erkunden gern erhöhte Plätze, andere beschäftigen sich lieber mit Spielzeug oder suchen die Nähe ihrer Bezugsperson.
Um die Gewohnheiten Ihrer Katze besser zu verstehen, beobachten Sie sie mehrere Tage lang. Notieren Sie, wann Sie weggehen, wann Sie zurückkommen und ob sich das Fressverhalten, die Fellpflege, die Laute oder das Toilettenverhalten Ihrer Katze verändern. So fällt eher auf, ob ein Verhalten neu ist oder schon lange zum Alltag gehört.
Aus den Untersuchungen lässt sich keine verlässliche Höchstdauer ableiten, die für alle Katzen gilt. Bei Jungtieren, kranken Katzen oder längeren Abwesenheiten sollte die Betreuung deshalb nach dem individuellen Bedarf geplant werden. Fragen Sie bei Unsicherheit eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
