Imkern für Anfänger: So gelingt der Einstieg

Planen Sie zuerst, wie Sie die Bienenvölker das ganze Jahr betreuen. Dazu gehören Gesundheitskontrollen und Arbeiten, die zu bestimmten Jahreszeiten anstehen. Ein Anfängerkurs oder die Begleitung durch eine erfahrene Imkerin oder einen erfahrenen Imker hilft Ihnen, den Aufwand und die passende Haltungsform einzuschätzen, bevor Sie Beuten und Ausrüstung kaufen.

Erst lernen, dann kaufen

Suchen Sie vor dem Kauf einen örtlichen Imkerverein und fragen Sie nach einem Anfängerkurs, einer Patin oder einem Paten. Im Kurs oder mit einer Patin oder einem Paten sehen Sie, wie Imkerinnen und Imker ein Volk kontrollieren und welche Aufgaben im Jahresverlauf anstehen. Manche Vereine bieten auch an, ein Volk für ein Bienenjahr zu mieten. So können Sie die praktische Arbeit kennenlernen, bevor Sie selbst Bienen und Ausstattung anschaffen.

Klären Sie dabei gleich, welche Beute und welches Rähmchenmaß in der Umgebung üblich sind. Eine Beute ist die Behausung der Bienen. Eine Magazinbeute besteht aus übereinandergestellten Kästen. Darin hängen herausnehmbare Rähmchen, also Rahmen, in denen die Bienen ihre Waben bauen. Wer ein anderes Maß wählt als die betreuende Imkerin oder der betreuende Imker, erschwert sich den Austausch von Material und Waben.

Auch die Zahl der Völker sollten Sie gemeinsam mit Ihrer Begleitung festlegen. Es gibt keine feste Zahl von Völkern, die für alle Anfänger passt. Mehr Völker bedeuten mehr Arbeit und höhere Kosten. Bei nur einem Volk können Sie Veränderungen schwerer vergleichen, während Sie lernen, sie einzuschätzen.

Standort für Bienen prüfen

Ein geeigneter Platz bietet den Bienen freien An- und Abflug, Schutz vor kaltem Wind und ein vielfältiges Blütenangebot in der Umgebung. Bienen suchen in einem weiten Umkreis nach Futter. Ein Flugradius von bis zu drei Kilometern sagt allein jedoch nicht aus, ob es an Ihrem Standort genug Nahrung gibt. Beobachten Sie daher, welche Blüten über die Saison hinweg in der Nähe wachsen.

Prüfen Sie vorab, ob Sie den Platz nutzen dürfen. Auf einem gemieteten Grundstück brauchen Sie die Zustimmung der Vermieterseite; bei gemeinschaftlich genutzten Flächen sollten Sie auch die zuständigen Eigentümerinnen und Eigentümer einbeziehen. Informieren Sie Nachbarinnen und Nachbarn frühzeitig, besonders wenn der Bienenstand in einem dicht bebauten Gebiet liegt. Achten Sie dort zusätzlich auf starke Sonneneinstrahlung und darauf, dass der Anflug nicht direkt über Wege oder Sitzplätze führt.

Erkundigen Sie sich bei Ihrer Gemeinde oder dem zuständigen Amt, ob örtliche Vorgaben oder ein Bebauungsplan zu beachten sind. Ein Garten oder Balkon ist nicht automatisch geeignet, nur weil Bienenhaltung grundsätzlich möglich ist.

Eine passende Betriebsweise wählen

Ihre Ziele bestimmen, welche Haltung zu Ihnen passt. Bei der Magazinimkerei arbeiten Sie mit stapelbaren Kästen und herausnehmbaren Rähmchen. Diese Betriebsweise erlaubt eine gezielte Betreuung und Honigernte, verlangt aber regelmäßige Kontrollen und passende Ausrüstung. Eine Bienenkiste ist eine andere, eher extensive Haltungsform: Sie ist auf weniger Eingriffe und geringeren Materialaufwand ausgelegt, bietet dafür meist weniger Möglichkeiten zur Honigernte.

Zwischen diesen Formen gibt es weitere Varianten. Lassen Sie sich deshalb nicht von einem pauschalen Versprechen zu besonders wenig Arbeit oder besonders viel Honig leiten. Fragen Sie im Kurs, welche Aufgaben die jeweilige Betriebsweise mit sich bringt und ob Sie die nötige Ausstattung in Ihrer Nähe bekommen. Für die Entscheidung zählt auch, ob Ihr Hauptziel das Beobachten der Bienen, die Honigernte oder eine Mischung aus beidem ist.

Zeit und Kosten realistisch planen

Der Zeitaufwand hängt stark von der Betriebsweise und davon ab, ob Sie gerade erst anfangen. Für die weniger eingreifende Haltung in einer Bienenkiste nennt das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft etwa 15 Stunden pro Jahr und Volk. Der Imkerverein Kiel veranschlagt rund zehn Stunden pro Volk und Jahr, weist aber zugleich auf wöchentliche Kontrollen während der Saison hin. Für das erste Jahr nennt der Imkerverein München und Umgebung drei bis sechs Stunden pro Woche von Februar bis September. Diese Angaben beziehen sich auf unterschiedliche Tätigkeiten und lassen sich nicht zu einem einheitlichen Wert zusammenrechnen.

Neben der Stundenzahl zählt, dass Sie regelmäßig Zeit einplanen: Im Frühjahr und Sommer fallen Arbeiten zu bestimmten Zeitpunkten an. Kontrollen, Fütterung und Maßnahmen gegen die Varroamilbe lassen sich nicht beliebig aufschieben. Planen Sie außerdem Zeit für Einkäufe, die Vorbereitung der Beuten und die Honigernte ein.

Die Anschaffungskosten hängen auch davon ab, welches Beutensystem Sie wählen, wie viele Völker Sie halten und welche Geräte Sie für die Ernte brauchen. Besonders teuer wird es, wenn Sie Geräte zur Honigernte selbst kaufen. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Verein, ob dort eine Schleuder oder ein Schleuderraum zur Verfügung steht, bevor Sie diese Ausstattung anschaffen.

Bienen und Ausrüstung beschaffen

Klären Sie den Kauf der Völker mit Ihrer Kursleitung, Patin oder Ihrem Paten. Örtliche Imkervereine können Kontakte zu Anbieterinnen und Anbietern vermitteln. Online finden Sie häufig Angebote für Ableger, kleinere Völker, die sich noch entwickeln. Ein Naturschwarm ist ein Schwarm, der sich auf natürliche Weise von einem Volk gelöst hat. Wenn Sie gezielt danach suchen, können Sie sich über spezielle Schwarmbörsen informieren. Lassen Sie sich bei jeder Variante erklären, wie das Volk übergeben wird und welche Betreuung es danach braucht.

Kaufen Sie zunächst nur die Ausrüstung, die Sie für die vereinbarte Betriebsweise benötigen. Zum grundlegenden Werkzeug gehören ein Stockmeißel zum Lösen und Bewegen von Beutenteilen sowie ein Smoker, der Rauch erzeugt und die Arbeit am Volk erleichtert. Schutzkleidung senkt das Risiko von Stichen, schließt sie aber nicht aus. Ein Besen kann beim Arbeiten ebenfalls hilfreich sein. Für die Honigernte benötigen Sie je nach Vorgehen unter anderem Siebe und Eimer; eine eigene Schleuder ist nicht in jedem Fall nötig.

Stimmen Sie die Ausrüstung auf das gewählte Beutenmaß ab. So vermeiden Sie unpassende Teile und unnötige Anschaffungen. Wenn Sie eine bekannte Bienengiftallergie haben, besprechen Sie das Risiko vor dem Einstieg ärztlich. Schutzkleidung bietet keinen vollständigen Schutz vor Stichen.

Bienengesundheit regelmäßig prüfen

Die Varroamilbe ist ein Parasit und ein wiederkehrendes Gesundheitsrisiko für Honigbienenvölker. Kontrollieren Sie den Befall regelmäßig. Behandeln Sie die Völker passend und prüfen Sie anschließend, ob die Behandlung gewirkt hat. Eine einzelne Behandlung reicht nicht für das ganze Jahr.

Lernen Sie die Diagnose und die saisonalen Arbeitsschritte deshalb praktisch bei einer erfahrenen Imkerin oder einem erfahrenen Imker. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft empfiehlt wiederholte Befallskontrollen und hebt eine Kontrolle ab Juli sowie eine Erfolgskontrolle nach der Sommerbehandlung hervor. Der genaue Zeitpunkt und das Vorgehen hängen vom Befund ab. Auch das zugelassene Präparat und die regionale Fachberatung sind dafür maßgeblich. Verwenden Sie keine pauschale Dosierung aus einem allgemeinen Einsteigertext.

Bienenhaltung melden

Wer in Deutschland Bienen halten will, muss die Haltung nach der Bienenseuchen-Verordnung spätestens bei Beginn der Tätigkeit der zuständigen Behörde anzeigen. Dabei sind die Zahl der Bienenvölker und der Standort anzugeben; die Behörde erfasst die Haltung und erteilt eine Registernummer.

Zusätzliche Meldungen, etwa bei einer Tierseuchenkasse, hängen von den örtlichen und landesrechtlichen Vorgaben ab. Fragen Sie deshalb beim zuständigen Amt am Standort der Bienen nach, welche Formulare und Fristen für Sie gelten. Melden Sie die Bienen, bevor die Völker einziehen, damit Sie die Registrierung nicht vergessen.

Honig ernten und verkaufen

Wenn Sie Honig als Lebensmittel verkaufen oder abgeben, gelten die Anforderungen der Honigverordnung. Dazu gehören Vorschriften zur Herkunftskennzeichnung. Für Verkauf, Verpackung und Hygiene können weitere Regeln hinzukommen.

Wenn Sie Honig verkaufen möchten, klären Sie diese Anforderungen vor der ersten Ernte mit den zuständigen Stellen und Ihrem Imkerverein. Kaufen Sie Erntetechnik erst, wenn feststeht, wie Sie schleudern, abfüllen und den Honig vermarkten.

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