Milchviehbetriebe wählen meist zwischen einem Melkstand, in dem Kühe zu festen Zeiten gemolken werden, und einem automatischen Melksystem, meist einem Melkroboter, das die Kühe selbstständig aufsuchen. Wichtig sind neben der Herdengröße auch der Stall, die Wege der Kühe, die verfügbaren Arbeitskräfte und der gewünschte Tagesablauf.
Ein Melkstand lässt sich mit einer passenden Routine gut betreiben, während ein Melkroboter flexiblere Melkzeiten bietet. Dafür müssen die Tiere regelmäßig kontrolliert und Störungen schnell behoben werden. Eine pauschal beste Lösung gibt es nicht.
Melkstand oder Melkroboter?
Im Melkstand kommen die Kühe zu festgelegten Melkzeiten in den Melkbereich. Das Personal bereitet die Euter vor, schließt die Melkzeuge an und kontrolliert den Melkvorgang. Die feste Routine erleichtert die Arbeitsplanung und die direkte Beobachtung der Tiere. Wie viele Kühe in einer Stunde gemolken werden, hängt dabei auch davon ab, wie gut die Tiere eintreten und wie sorgfältig das Personal arbeitet.
Beim automatischen Melksystem, kurz AMS, gehen die Kühe grundsätzlich selbstständig in eine Melkbox. Die Anlage erkennt das Tier und reinigt die Zitzen. Anschließend setzt sie die Melkzeuge an und erfasst Daten zum Melkvorgang. Dadurch verteilt sich die Arbeit anders: Der feste Melktermin fällt weg, doch die Betreuung der Tiere, die Auswertung der Daten und die Reaktion auf Störungen bleiben tägliche Aufgaben.
Rohr- und Eimermelkanlagen kommen vor allem in kleineren oder besonderen Betriebsformen vor. Für einen belastbaren Vergleich mit Melkständen und Melkrobotern reichen die verfügbaren Angaben zu diesen Verfahren nicht aus.
Bauarten von Melkständen
Die Bauart bestimmt, wie die Kühe stehen und ein- und austreten und wie das Personal an ihre Euter gelangt. Fischgräten-, Side-by-Side- und Swing-over-Stände melken die Kühe in Gruppen. In einem Karussell bewegen sie sich fortlaufend durch die Anlage.
| Bauart | Ablauf und mögliche Vorteile | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Fischgräte | Die Kühe stehen schräg zur Melkergrube. Die Anordnung bietet einen guten Überblick und lässt sich je nach Ausführung erweitern. | Platzbedarf und Zugang zum Euter hängen von der konkreten Bauweise ab. |
| Side-by-Side | Die Kühe stehen nahezu im rechten Winkel zur Grube. Die Anlage kann kompakt sein und Gruppenwechsel beschleunigen. | Der Zugang zum Euter erfolgt stärker von hinten. |
| Swing-over | Ein Melkzeug wird für gegenüberliegende Melkplätze genutzt. Dadurch braucht der Stand weniger Melktechnik je Platz. | Die Arbeitsschritte und Wege müssen zum Personal und zur Anordnung passen. |
| Melkkarussell | Die Kühe bewegen sich kontinuierlich durch die Anlage. Das ermöglicht einen hohen Durchsatz. | Der Vorteil hängt davon ab, dass die Kühe zügig und ohne häufiges Nachtreiben eintreten. |
In einem Vergleich zum Arbeitsaufwand der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurden unter den dort beschriebenen Bedingungen mit Fischgräte, Side-by-Side und Swing-over 56 bis 59 Kühe je Melkerstunde gemolken. Für ein Karussell nannte der Vergleich 84 Kühe je Stunde. Diese Werte sagen nicht voraus, welche Leistung ein einzelner Betrieb erreicht. Die Anlagen und Abläufe müssen vergleichbar sein. Auch muss klar sein, auf welcher Grundlage die Zahlen berechnet wurden.
Auch die Melkroutine beeinflusst den Durchsatz. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen veranschlagte für einen Fischgrätenstand bei sachgerechter Melkarbeit im Mittel 63 Sekunden pro Kuh. Eine kürzere Vormelkzeit kann die rechnerische Leistung erhöhen. Das gilt ebenso für eine verkürzte Euterreinigung oder ein kürzeres Dippen. Solche Kürzungen können jedoch die Eutergesundheit beeinträchtigen. Angebote sollten deshalb neben der Leistung auch die vorgesehenen Arbeitsschritte ausweisen.
Was ein Melkroboter verändert
Ein AMS löst feste Melkzeiten auf und ermöglicht häufigere Melkungen. Damit das funktioniert, müssen Stallwege, Fütterung und Kuhverkehr zusammenpassen. Gehen Kühe nicht selbstständig in die Box, muss das Personal überfällige Tiere holen. Auch Behandlungskühe brauchen eine passende Lösung, etwa durch gezielte Selektion und Betreuung.
Die Auslastung begrenzt, wie viele Kühe eine Box versorgen kann. In einer Modellrechnung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurde eine Einzelbox mit rund 175 Melkungen am Tag angesetzt. Das entsprach rechnerisch bis zu 58 Kühen bei drei Melkungen täglich oder bis zu 70 Kühen bei durchschnittlich zweieinhalb Melkungen. Diese Werte beruhen auf Annahmen zu Melkdauer und nutzbarer Zeit. Sie ersetzen keine Planung für den eigenen Stall.
Mehr Melkungen bedeuten nicht automatisch mehr Gewinn. Die Landwirtschaftskammer nennt bei ungefähr drei Melkungen am Tag und möglichst gleichmäßigen Abständen eine mögliche Milchleistungssteigerung von etwa sieben Prozent. Das ist ein Richtwert aus der Beratung, keine Zusage für jeden Betrieb. Zusätzliche Technik-, Bau- und Wartungskosten sowie Abschreibungen müssen in dieselbe Rechnung einfließen.
Ein Melkroboter braucht außerdem verlässliche technische Betreuung. Bei Störungen muss jemand reagieren können; bei hoher Auslastung lässt sich ausgefallene Melkzeit kaum später nachholen. Vor einer Investition sollte daher geklärt sein, wer nachts oder am Wochenende erreichbar ist und wer die Anlage bedienen kann, wenn die zuständige Person ausfällt.
Arbeit und Tierkontrolle
Der Melkstand bindet Arbeitskräfte an feste Melkzeiten. Dafür sehen Melkende die Kühe unmittelbar und können Auffälligkeiten beim Melken bemerken. Das erleichtert die direkte Kontrolle von Euter und Milch, sofern die Routine dafür Zeit lässt.
Beim AMS entfällt ein Teil der fest gebundenen Melkarbeit. Dafür müssen die Betriebsleitenden Daten zu Melkungen, Milchmenge und Tierverhalten regelmäßig prüfen und daraus Kontrollen ableiten. Ein Teil der Arbeit verlagert sich auf die Überwachung der Tiere, die Auswertung der Daten und das Beheben von Störungen. Wie stark sich das auswirkt, hängt von Betriebsgröße und Arbeitsorganisation ab.
Eine Befragung von 450 Schweizer Betriebsleitenden zeigte, dass Arbeitsaufwand und körperliche Belastung wichtige Investitionsmotive waren. Beim AMS standen außerdem flexiblere Arbeitszeiten im Vordergrund. Die Befragung erfasst Schweizer Betriebe. Ihre Ergebnisse lassen sich nicht direkt auf deutsche Betriebe übertragen. Sie zeigen aber, warum neben der Arbeitszeit auch die gewünschte Tagesgestaltung bei der Entscheidung zählt.
Bei beiden Verfahren hängen Tierwohl und Eutergesundheit von der Bauart, der Haltung, der Melkroutine, der Wartung und der täglichen Kontrolle ab. Die Vergleiche zeigen nicht, dass eine Melksystemart grundsätzlich überlegen ist.
Kosten von Melkstand und Melkroboter vergleichen
Ein Vergleich der Anschaffungspreise reicht nicht. Zum Melkstand gehören neben der Melktechnik auch die Gebäude. Hinzu kommen Arbeitszeit und Wartung sowie gegebenenfalls Umbauten. Beim AMS kommen unter anderem die Melkbox und bauliche Anpassungen hinzu. Auch Service, Ersatzteile und technische Betreuung zählen dazu. Auch Kühlung und Tiererkennung verändern den Gesamtpreis. Das gilt ebenso für weitere Ausstattung.
Ältere Kostenangaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sind keine heutigen Angebotspreise. Die Ausstattung unterscheidet sich, und die Angaben beruhen nicht auf aktuellen Marktpreisen. Auch ein dort genannter Kostenunterschied je Liter Milch eignet sich nicht als allgemeingültiger aktueller Wert.
Für eine belastbare Entscheidung sollten alle Anbieter dieselben Betriebsannahmen verwenden. Die Rechnung sollte Investition und Bau ebenso berücksichtigen wie laufenden Service und Verbrauchsmaterial. Hinzu kommen Energie, Arbeitszeit und Ausfallrisiken. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft stellt dafür ein anpassbares Werkzeug zu Arbeitszeit und -kosten im Milchviehstall bereit. Die Ergebnisse hängen von den eingegebenen Betriebsdaten ab und sind keine pauschalen Vergleichswerte.
Melkstand oder Melkroboter auswählen
Prüfen Sie zuerst, ob Stall und Arbeitsablauf zur Anlage passen. Prüfen Sie, ob Kühe in einer bestehenden Anlage sicher und zügig laufen, wie viel Platz ein Umbau beansprucht und ob die Anlage zur geplanten Entwicklung des Betriebs passt. Bei einem Melkroboter müssen die Wege zwischen Liegeflächen, Fressbereich und Melkbox so liegen, dass die Kühe gut zur Melkbox gelangen.
Vor einer Entscheidung sollten Sie mindestens diese Punkte mit den Anbietern durchgehen:
- heutige und geplante Kuhzahl, dazu die erwartete Auslastung
- verfügbare Arbeitskräfte, feste Melkzeiten und Vertretung
- Tierkontrolle, Behandlungskühe und Umgang mit überfälligen Melkungen
- Baukosten, laufender Service und technische Betreuung bei Störungen
- Melkroutine und Tiergesundheit neben dem rechnerischen Durchsatz
Lassen Sie sich die Leistungsangaben für genau die angebotene Anlage und Personalbesetzung erklären und fragen Sie, welche Arbeitsschritte in der Berechnung enthalten sind. Bei einem Karussell gehört dazu etwa die Annahme, dass die Kühe ohne häufiges Nachtreiben eintreten. Beim AMS muss klar sein, wie die Auslastung und die Betreuung bei Störungen geplant sind.
